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Das Trinkritual

Trinkritual Absinth    Trinkritual Edelbrand    Kurioses  

Spirituosen dürfen nicht einfach wie ein Glas Wasser heruntergekippt werden. Für den vollen Genuss gilt es einige Regeln zu beachten, die helfen, das Aroma ausgiebig zu erfahren.

Trinkritual Absinth

Es gibt zwei Hauptformen, Absinth zu genießen. Bei der ersten wird Absinth einfach nur mit Zucker und Wasser vermischt. Bei der zweiten Form wird der Absinth angezündet.

1. Ritual
Es wurde etwas Absinth - ca. 20 ml (Eichmarke eines Schnapspinnchens) - Absinth in ein ca. 100 ml fassendes Glas geschüttet. Auf das Glas wurde ein spezieller Absinthlöffel gelegt, der sich durch einen Schlitz in der Mitte oder mehrere Löcher auszeichnete und so geformt war, daß er auf dem Glasrand liegen blieb. Auf den Löffel wurde ein Stück Zucker gelegt, das den bitteren Geschmack des Wermuts etwas entschärfen sollte und das man mit der ca. 3 - 5-fachen Menge Wasser übergoß.
Das Wasser tropfte in den Absinth, dessen Alkoholgehalt dadurch herabgesetzt wurde und diesen durch Ausfällung der ethärischen Öle milchig einfärbte.

2. Ritual
Bei der zweiten Form werden die gleichen Utensilien verwendet. Es wird allerdings der Absinth angezündet und der Zucker zum karamelisieren gebracht. Dazu wird der Zucker selbst in den Absinth getaucht, so daß er sich mit Alkohol vollsaugt.
Es wird entweder nur der getränkte Zucker oder auch der im Glas befindliche Absinth angezündet.
Sobald der Zucker anfängt zu karamelisieren, wird Wasser über den Zucker gegossen.

Eigene Erfahrungen
Den selbstgebrauten Absinth übersteht man schadlos nur mit Zucker. Ohne diesen zieht´s einem die Schuhe aus - brrrrrrr.
Das Flambieren habe ich auch ausprobiert, wobei ich allerdings keinen großen Unterschied zwischen beiden Methoden feststellen konnte. Der Vor- bzw. (je nachdem, wie man es nimmt) Nachteil hierbei ist, daß dadurch der Alkoholgehalt etwas abnimmt.

Der spanische Absenta Serpis (roter Absinth) schmeckt ohne Zuckerzusatz. Hier wäre Zucker zuviel des Guten. Nach der Farbe zu urteilen, wurde hier auf eine Mazeration des Wermuts nach der Destillation verzichtet, wodurch dieser bei weitem nicht so bitter ausfällt und daher der Zuckerzusatz nicht notwendig ist.
 


Trinkritual Edelbrand

Auch beim Edelbrand gilt es Regeln einzuhalten, die es erst ermöglichen, das organoleptische Profil eines Brandes ausgiebig zu erschließen. Solche Destillate sind sehr komplexe Mischungen zahlreicher Aromen. Um diese in ihrer ganzen Fülle darzubieten, muss, angefangen beim Kredenzen bis hin  zum Schlucken und Ausharren und Einwirken lassen, ein strenger Ablauf eingehalten werden. Gerade bei der vergleichenden Verkostung ist eine Einhaltung dieser Abläufe von besonderer Notwendigkeit.


1. Das richtige Glas

Damit der Edelbrand optimal zur Geltung kommen kann, sollten Stilgläser in Tulpenform, eventuell mit Deckel, verwendet werden. Diese Gläser „fangen“ das flüchtige Aroma und geben es erst bei der Verkostung frei.


2. Die Trinktemperatur

Eine weit verbreitete Unsitte ist es, Schnäpse (tief-) gekühlt anzubieten. Nur Ouzo, Korn und Wodka und einige andere Ausnahmen sind Spirituosen, die gekühlt serviert werden können, aber nicht müssen!
Ein guter, aromatischer Brand darf nicht gekühlt werden, da die Fruchtaromen sich bei gekühlten Bränden nicht entfalten können. Der Schnaps aus dem Kühlschrank oder – noch schlimmer – Eisfach ist ein Frevel. Wie bei einem Rotwein liegt bei vielen Destillaten die optimale Genusstemperatur bei 15 - 18°C. Junge Grappa und andere junge Brände mit geringer Lagerzeit zeigen ihr optimales Profil bei 8 - 10°C.


3. Der Edelbrand braucht Ruhe

Einen Cognac oder Whisky kippt man auch nicht sofort nach dem Einschenken herunter. Und ein Rotwein muss atmen. Auch Edelbrände sollten nach dem Einschenken auch etwas Zeit zum Atmen bekommen. Aggressive Geschmacksnuancen reagieren mit dem Sauerstoff und werden abgemildert. Schwenken ist nicht erforderlich. In der Zeit findet auch ein Temperaturausgleich statt.


4. Riechen

Einen guten Edelbrand genießt man mit der Nase. Er ist ein Extrakt aller in der Frucht befindlichen Aromen; er soll den Charakter vermitteln. Es wird nur leicht geschnuppert, nicht mit geblähten Nüstern tief durchgeatmet, um die erlebten Geruchsempfindungen auf sich einwirken zu lassen. Die feinen Aromen brauchen einige Sekunden Zeit, um den Geruchssinn anzusprechen.
Gute Edelbrände präsentieren sich dem Geruchssinn sehr intensiv.; ich wage sogar zu behaupten, dass allein am zelebrierten Riechen schon der ganze Genuss eines Edelbrandes liegt. Selbst strikte Abstinenzler sollten mal diese Form des Genusses ausprobieren.


5.  Degustation

Bei der Degustation zeigt sich das eigentliche Potential des Edelbrandes.
Es wird ein kräftiger Schluck genommen. Dieser wird mit Zunge und Gaumen voll erfasst und geschluckt. Es darf nicht lange am Schluck herum gelutscht werden, da das hochprozentige schnell die Geschmacksnerven betäubt und den weiteren Genuss dämpft.
Gute Brände zeigen am Gaumen und im Abgang viel Körper. Der Geschmack sollte lange und sauber am Gaumen erkennbar bleiben.



Kurioses

Auch wenn sich über Geschmack nicht streiten lässt, Blindverkostungen können doch etwas Objektivität in die vorwiegend subjektive Welt des Geschmacksinnes bringen.Wenn man eine Spirituose erwerben will, die man vorher nicht selbst verkostet hat, sollte auf Prämierungen geachtet werden, die möglichst objektiv von Verbänden, durch Testreihen überprüft, verliehen werden.

Einzelne Kritikermeinungen sind mit Vorsicht zu genießen:

Zitat aus einem Leserbrief:
"Ebenfalls erstaunt war ich über die Bemerkung: ‘****-Grappa als Elixier für die Seele’. Wenn man weiß, dass man einen **** trinkt, dann Ja. Würden Sie das auch bei einer Blindverkostung sagen?"

Antwort des Kritikers:
"Blindverkostungen sind ein kalter, seelenloser Akt. Die ****-Grappa würde als fehlerhaft wohl durchfallen. ****** **** (der Hersteller) ist jedoch eine ganz besondere Figur. Seine Grappa würde ich nicht zur Erquickung von Nase und Gaumen trinken, sondern weil sie mich an die Begegnung mit diesem einmaligen Menschen erinnert."
(gefunden unter http://www.merum.info/de/07leserbriefe_app.lasso?passacod=MR_0619 , 08.09.2006)
Der Umkehrschluss in diesem Fall wäre, dass die Grappa in diesem Fall wegen minderer Qualität zu meiden ist, wenn man den Produzenten nicht persönlich kennt. Muss der Tester zur Beurteilung wissen, welches Erzeugniss er vor sich stehen hat?

Eine Blindverkostung ist kein seelenloser Akt; man versucht ja das Destillat mit allen Sinnen zu erfassen, auch wenn das verköstigte Produkt nicht dem Tester bekannt ist.

Objektiv, und damit in gewisserweise "seelenlos" ist lediglich die Auswertung und Zusammenfassung der einzelnen Beurteilungen. Ich nehme mal an, dass ein Brand, der von vielen Testern mit gut eingestuft wird, kein Risiko eines Fehlkaufes darstellt.

Mit dieser Anekdote möchte ich nicht die Grappa des gemeinten Produzenten schlecht machen. Ich denke, dieser kommt sogar den ursprünglichen Destillaten wahrscheinlich sehr nahe und besitzt mit Sicherheit einen sehr eigenen, anzuerkennenden Charakter. Es zeigt nur, dass sogenannte Kritiker  ihr Fähnchen gerne in den Wind hängen und statt fundierte Erkenntnisse lieber heiße Luft absondern um ihre Kundschaft nicht zu vergrätzen. 

Des Kaisers neue Kleider... und wie war das mit den Fliegen und ihrer Nahrungsquelle???

 
Viel Spaß beim ausprobieren und genießen...


Aktualisiert am 01.08.2008

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